Cimi Info 939

11. November 2010

Cimi Info 939.doc

Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) könnte die Aufhebung von Belo Monte empfehlen

Organisationen haben heute in einem Dokument an die OAS die Verletzung internationaler Verträge sowie die Bedrohung indigener Gemeinschaft und Siedler entlang des Xingu angeprangert. Die OAS fordert Klärung vom Staat und könne den Bau verhindern.

Die Organisation der Amerikanischen Staaten hat heute, 11.11.2010 ein Dokument erhalten, in dem Unregelmäßigkeiten beim Verfahren der Lizenzierung und Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften und Siedler durch das Kraftwerk Belo Monte, angeklagt. Unterzeichnet haben das Schriftstück die Bewegung Xingu Vivo Para Sempre, der Indigene Missionsrat (CIMI), die Indigenen Organisationen vom brasilianischen Amazonien (COIAB), die Prälatur am Xingu, die Gesellschaft für Menschenrechte Pará (SDDH), Globale Gerechtigkeit sowie der Interamerikanische Verband zur Verteidigung der Umwelt (AIDA). An der Dokumentation mitgearbeitet haben mehr als 20 Organisationen und Bewegungen. Sie alle fordern dringen eine einstweilige Verfügung um das Umweltgenehmigungsverfahren zu suspendieren.

Brasilien verletze internationale Verträge und setze sich über die Grundrechte der Gemeinschaft der Arroz Cru, der Arara an der großen Stromschnelle, der Juruna am Kilometerm 17 und der Ramal hinweg, die in der Xingu Bucht beheimatet sind. Die Umsiedlung, ohne vorherige Beratung und Zustimmung der Gemeinschaften, die Gefährdung der Nahrungs- und Trinkwasserversorgung sowie die Zerstörung der Umwelt sind einige der schlimmsten Probleme, die Belo Monte mit sich bringen werde, beklagen die Organisationen. Sie verweisen, dass die OAS 2009 einstweilige Verfügungen gegen das Wasserkraftwerk Chan 75 (Panama) aufgrund der Vertreibung indigener Gemeinschaften erwirkten, die zum Stopp des Baus führten. Weitere Projekte in Lateinamerika werden zitiert.

Bezug nehmend auf Gutachten staatlicher Organisationen, wie das Brasilianische Institut für Umwelt (IBAMA) und die Bundesstaatsanwaltschaft sowie von Technikern und Experten, warnen die Unterzeichner vor einem Anstieg von Krankheiten und Armut, vor übermäßigen Migrationen, denen das Gesundheits- und Bildungswesen und die öffentliche Sicherheit in der Region nicht gewachsen sind.

„Trotz dieser schwerwiegenden und irreversiblen Auswirkung des Projekts für die lokalen Gemeinschaften wurden keine entsprechenden Maßnahmen vorgesehen, um den Schutz der Rechte und der Umwelt zu garantieren“, heißt es abschließend im Dokument.

Was bedeutet die Befassung der OAS mit dem Kraftwerk Belo Monte?

Die Bundesregierung bestätigt, dass mit dem Bau von Belo Monte in Kürze begonnen werde, trotz der jüngsten gegenteiligen Empfehlungen der Bundesstaatsanwaltschaft. Das IBAMA werde in den nächsten Wochen die Genehmigung erteilen.

Wird ein dringender Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, weil Menschenrechte verletzt werden, fordert die OAS durch die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) den brasilianischen Staat zu einer sofortige Stellungnahme auf und übermittelt in der Folge ihre Entscheidung. Wird dem Antrag auf einstweilige Verfügung statt gegeben, muss die Bundesregierung die von der CIDH in einer Resolution verabschiedeten Forderungen erfüllen.

Weitere Informationen:

Roberta Amanajás, Gesellschaft für Menschenrechte Pará
+0055 (91) 81621232

Gustavo Mehl, Globale Gerechtigkeit
+0055(21) 8162-2181 / 2544-2320 / 8212-1095

Renata Pinheiro, Bewegung Xingu Vivo para Sempre
+0055(93) 9172-9776

Cimi Info 938

5. November 2010

Cimi Info 938.doc

Indios fordern bessere Gesundheitsbetreuung in Acre

Seit 3.11.2010 Besetzung der FUNASA in Rio Branco

Mehr als einen Monate wurde erfolglos mit der Verwaltung des Hauses für Indigene Gesundheit (CASAI) in der Näher der Gemeinde Via Verde (Acre) verhandelt. Am 3.11. haben 25 Indios den Sitz der Nationalen Gesundheitsstiftung (FUNASA) in Rio Branco besetzt.

Mit dieser Aktion wollen die indigenen Gemeinschaften im Bundesstaat gegen die Probleme im Gesundheitswesen protestieren. Viele Kranke kommen zur Behandlung in die Stadt, aber die mangelhafte Infrastruktur im CASAI ist ihren Anforderungen nicht gewachsen. Die Unterkünfte sind schlecht, es gibt weder Trinkwasser noch Matratzen oder andere Einrichtungen, die für die Versorgung der Patienten notwendig wären. Es gibt auch kein Essen oder eine Behandlung.

„Die Mitarbeiter sind nicht vorbereitet und unhöflich. Sie gehen an uns vorbei ohne auch nur einmal zu grüßen. Warum werden nicht wir Indios entsprechend ausgebildet?“, fragt der entmutigte Edson Jaminawa.

Die Gruppe kritisiert, dass sich Patienten mit ansteckenden Krankheiten, etwa Tuberkulose, mit anderen Personen einen Raum teilen müssen.

Kazike Francisco Siqueira, vom Volk Apolima Arara wartet seit über einem Monat, dass sein Sohn behandelt wird. Es gab nicht einmal ein Erstgespräch mit dem Arzt. Um Komplikationen zu vermeiden, lieh er sich Geld und bezahlte eine private Behandlung.

Die prekäre Situation ist nicht neu. Trotz jahrelanger Kritik an die FUNAI, die FUNASA und sogar an die Bundesstaatsanwaltschaft wurden keine Maßnahmen getroffen.

„Wir sind es leid und glauben nicht mehr an die Versprechen“, sagt Edson Jaminawa. Es heißt immer, man werde Medikamente und anderes Material einkaufen und die Versorgung werde besser, aber es hat sich nichts verbessert“, beklagt der Indio.

Die Gruppe, der Indios Apurinã, Jaminawa, Caxarari und Apolima Arara angehören, hat die Missstände dokumentiert, um ihrer Kritik und ihren Forderungen Nachruck zu verleihen. „Wir haben Fotos gemacht und die mangelhafte Situation im CASAI gefilmt, denn jedes Mal wenn wir uns an die Regierung und die Medien wenden, glaubt man uns nicht“, sagte Edon Jaminawa.

CIMI – Indigener Missionsrat
Brasília, 5. November 2010

Cimi Info 937

28. Oktober 2010

Cimi Info 937.doc

Indios diskutieren bei Versammlung in Sena Madueira öffentlich Politiken

Am 19. Oktober fand das Treffen der indigenen Familie im städtischen Raum von Sena Madureira (Acre) mit rund 80 Indios statt. Teilgenommen hat auch Pater Paolino, der im Bundesstaat arbeitet und die Situation sehr gut kennt.

Bei den Diskussionen stand die Landfrage im Vordergrund. „Man kann leicht sagen, die Indios sollen in ihre Gebiete zurück kehren. Aber wo sind diese Gebiete? Hier ist Manchineri das einzige Territorium, von dem uns ein Teil gehört“, sagte José Correia, ein Vertreter der Jaminawa.

Notwendig ist auch, dass Jaminawa, Hui NIkui (Kaxinawa) und Madjá (Kulina) sich zusammenschließen und gemeinsam ihre Rechte fordern. Besondere Unterstützung braucht die Gemeinschaft Jaminawa, die auf die Demarkierung der Gebiete Kaiapucá, São Paulinho und Guajará drängt.

Ergebnisse

Das Treffen war sehr erfolgreich und man vereinbarte eine weitere Versammlung, bei der von der öffentlichen Hand Maßnahmen für die Indios in der Stadt gefordert werden sollen. Die Gruppe will ein Haus bauen für die Verhandlungen der indigenen Vertreter und die Vermarktung ihrer Produkte. Mehr Unterstützung wünschen sie sich für den Vertrieb ihrer Kunsthandwerke und Kulturveranstaltungen.

Mehr Hilfestellung sollen künftig die Schüler erhalten, damit sie besser am Leben der Gemeinschaft teilhaben. Im Bereich des Gesundheitswesens erwarten sich die Indios eine bessere Versorgung. Garantiert werden muss eine entsprechende und kostenlose Behandlung der mit Hepatitis infizierten Indios, da die Medikamente zwischen R$ 700 und R$ 1.200 kosten.

Zugang zu Trinkwasser, Müllabfuhr und Stromversorgung ohne Gebühren wäre eine Notwendigkeit in allen Häusern der Indios. Die Gruppe will eine verstärkte Zusammenarbeit des CIMI und der Bundesstaatsanwaltschaft vor allem bei den Verfahren der Demarkierung sowie die Begleitung der Strafprozesse gegen indigene Vertreter im Bundesstaat.

Lindomar Padilha | Cimi Region Amazonien Okzidental

CIMI – Indigener Missionsrat
Brasília, 28. Oktober 2010

Cimi Info 933

30. September 2010

Dom Erwin Kräutler wird mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt

Dom Erwin Kräutler, Bischof vom Xingu und Präsident des CIMI ist einer der vier Personen, die mit dem Right Livelihood Award 2010 ausgezeichnet werden, wie die Stiftung heute, 30.9. in Stockholm mitteilte. Den Preis erhält er „für ein Leben, den Rechten indigener Völker gewidmet, und für sein unermüdliches Engagement, den Urwald des Amazonas vor der Zerstörung zu bewahren“, hieß es in der Pressemeldung.

Über die Mitteilung hat sich Dom Erwin sehr gefreut: „Nicht um meinetwegen freue ich mich, sondern für die Anliegen Amazoniens und die indigenen Völkern, denen diese Anerkennung gebührt“.

Weitere Preisträger sind Nnimmo Bassey (Nigeria), „weil er die ökologischen und menschlichen Kosten der Ölforderung aufzeigt und mit seinem Einsatz Umweltbewegungen in Nigeria und der ganzen Welt stärkt“; Shrikrishna Upadhyay und die Organisation SAPPROS (Nepal), „weil sie selbst im Angesicht der Bedrohung durch politische Gewalt und Instabilität der Welt zeigen, wie die Mobilisierung von Dorfgemeinschaften Armut überwinden kann“;

die Organisation Physicans for Human Rights-Israel (Mediziner für Menschenrechte-Israel), geehrt „für ihren unbezähmbaren Geist, mit dem sie für das Recht auf Gesundheit für alle Menschen in Israel und Palästina einsteht“, laut Jury.

Eine Pressekonferenz mit den diesjährigen Preisträgern wird im Pressezentrum des Schwedischen Außenministeriums in Stockholm am Montag, den 6. Dezember, um 9:30 Uhr abgehalten. Die Preisverleihung im Schwedischen Parlament findet am selben Abend, um 18.00 Uhr stattfinden.

Die Präsidentschaft der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) hat die Nominierung von Dom Erwin für den Preis im Februar befürwortet, als Anerkennung für seinen „pastoralen und prophetischen Einsatz für und mit den Schwächsten und den indigenen Völkern“.

Für Dom Geraldo Lyrio Rocha, Präsident der CNBB ist dieser Preis eine große Auszeichnung für Dom Erwin und eine Ehre für die CNBB. „Es ist eine Anerkennung der Institutionen und der brasilianischen Gesellschaft und für mich bedeutet er noch mehr, da er ein Alternativer Nobelpreis ist!“. Der Preis sei eine Anerkennung des Einsatzes von Dom Erwin für die Verteidigung des Lebens der indigenen Völker und ihrer Menschenwürde. „Ich gratuliere Dom Erwin und auch unserer Kirche, weil sie in ihrer Mitte einen Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, Umwelt und das Leben der indigenen Völker hat“.

Cimi Info 932

23. September 2010

Cimi Info 932.doc

Kein Ende der Gewalt gegen Guarani Kaiowá

Indigene und soziale Bewegungen sowie Menschenrechtsorganisationen und Medien verweisen erneut auf Gewalt und Rassismus gegen die Indios Guarani Kaiowá in Mato Grosso do Sul. Das Volk leidet unter Aggressionen, Tod durch Gewalt, mangelnde Unterstützung und Vernachlässigung seitens der Behörden.

Das Recht auf Bewegungsfreiheit der Gemeinschaften Y’poí und Ita’y Ka’aguyrusu ist eingeschränkt, sie haben keinen Zugang zu Trinkwasser, zu medizinische Versorgung und es fehlt ihnen an Nahrungsmittel. Kinder sind krank, unterernährt und verängstigt infolge der Aktionen der Großgrundbesitzer und deren privates Wachpersonal. Gestern, 22.9., starb ein 3-jähriges Kind der Gemeinschaft Kurusu Ambá aufgrund dieser Missstände.

CNBB protestiert gegen Gewalt an Guarani Kaiowá

Am 22.9. verurteilte die CNBB in einer Pressemitteilung die Gewalt gegen die Guarani Kaiowá und erneuerte ihre Unterstützung für dieses Volk und seinen Einsatz für die Garantie ihrer Rechte und forderte von der brasilianischen Regierung die dringende Demarkierung der von diesem Volk traditionell besetzten Gebiete in Mato Grosso do Sul.

Im Dokument kritisierte die CNBB die Gewalt gegen die Gemeinschaften Y’poí in der Gemeinde Paranhos, und Ita’y Ka’aguyrusu in Douradina. Die bewaffneten Attacken sind „eine brutale Einschüchterung dieser Gemeinschaften, deren Bewegungsfreiheit und Zugang zu lebensnotwendigen Gütern, wie Wasser, Nahrung, Bildung und Gesundheit eingeschränkt“, heißt es in der Stellungnahme der CNBB.

Guarani Kaiowá in Douradina von Fazendeiros angegriffen

Am 21.9.2010 wurde eine Gruppe von 86 Familien Guarani Kaiowá vom Lager Ita’y Ka’aguyrusu in der Gemeinde Douradina (MS) gewaltsam von Fazendeiros der Region angegriffen. Gegen 7:30 Uhr kamen Fazendeiros in das Lager, haben Zweige von den Bäumen abgeschnitten, um Kinder und Frauen zu schlagen. Zudem entzündeten sie Feuerwerke, um die Indios einzuschüchtern, wie die Lehrerin Efigênia Guarani Kaiowá berichtete.

Die verängstigten Indios wollten die Bundespolizei kontaktieren, konnten aber der Invasion nicht entrinnen. Bereits zum vierten Mal haben Fazendeiros die Gemeinschaft attackiert. Bei einem dieser Angriffe brach sich eine Frau das Bein, als sie vor den Kugeln flüchtete.

Das Team von CIMI in Dourados hat sich an die FUNAI und die Bundesstaatsanwaltschaft in Dourados gewandt und dringend Maßnahmen gefordert. Die Bundesstaatsanwaltschaft und die Bundespolizei haben mit den Fazendeiros verhandelt, die darauf hin abgezogen sind.

Im Moment hat sich die Situation etwas beruhigt. Furcht und Angst sind geblieben, da die Indios innerhalb von 17 Tagen, seit der Rückgewinnung ihres traditionellen Territoriums, viermal überfallen wurden. Die Angreifer – Fazendeiros der Region – wurden stets von Wachpersonal und bewaffneten Männern begleitet.

Kampagne für die Gemeinschaft von Y’poí

Des Wartens müde auf Informationen über den Verbleib von Rolindo Vera und beobachten zu müssen, wie sich die Mörder von Genivaldo frei in der Region bewegen, hat die Gemeinschaft Guarani Kaiowá von Ypo’i am 17. August 2010 beschlossen, in ihr traditionelles Gebiet zurückzukehren, von dem sie im Oktober 2009 vertrieben wurde.

Seit der Rückgewinnung werden die rund 80 Familien im Gebiet in der Gemeinde Paranhos, nahe der Grenze zu Paraguay, von Pistoleiros im Auftrag von Fazendeiros umzingelt. Aufgrund der ständigen Bedrohungen kann die Gruppe das Territorium nicht verlassen und hat schwer Zugang zu Nahrungsmittel, Gesundheit und Bildung. Viele Indios, vor allem Kinder, sind krank.

In einem dringenden Hilfsappell fordert die Gemeinschaft von der brasilianischen Regierung, der nationalen und internationalen Gesellschaft die Garantie des Rechts auf Leben in Frieden auf ihrem traditionellen Territorium. Als Präsident Lula in Mato Grosso do Sul war, haben sie ihm ein Dokument übergeben, in dem sie erläutern, dass sie in ihr Gebiet zurück gekommen sind, um Rolindo zu suchen.

In diesem Kontext haben der CIMI und Amnesty International eine Kampagne begonnen. In Briefen bis zum 22. Oktober 2010 sollen der Justizminister und das Sondersekretariat aufgefordert werden, dringende Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt zu ergreifen.

Kind in Kurusu Ambá aufgrund mangelnder Versorgung gestorben

Diese Woche ist wieder ein Kind Guarani Kaiowá gestorben, weil es keine Unterstützung seitens der Nationalen Gesundheitsstiftung (FUNASA) gab.

Mitglieder des Indigenen Missionsrates – CIMI erfuhren bei einem Besuch in der Gemeinschaft Kurusu Ambá, in der Gemeinde Coronel Sapucaia, dass ein 3-jähriges Kind erkrankt sei. Die ersten Symptome hätten sich vor 20 Tagen gezeigt, das Kind habe nicht gegessen, könne nicht mehr gehen und habe Schwierigkeiten beim Sitzen, berichtete die Familie. Die Mitglieder des CIMI brachten das kranke Kind und seine Mutter in das Haus für Indigene Gesundheit nach Amambai. Tags darauf informierte Inocêncio, ein Bewohner der Gemeinschaft, das Kind sei verstorben.

Die Indios haben mehrmals von der FUNASA Hilfe erbeten, die einen Einsatz aufgrund des Konflikts zwischen Fazendeiros und Indios ablehnte. Inocêncio war selbst bei der FUNASA, wurde von den Mitarbeitern nicht einmal angehört.

Der Tod des Kindes stehe in direktem Zusammenhang mit dem Mangel an Nahrungsmitteln und fehlendem Zugang zur Grundversorgung sagte Egon Heck, der Koordinator von CIMI Regional Mato Grosso do Sul. Die Gemeinschaft hat keine Möglichkeiten, ein Feld zu bestellen oder Tiere zu halten und ist von Lebensmittelpaketen abhängig, die von der FUNAI sehr untregelmäßig verteilt werden.

Brasília, 23. September 2010
CIMI – Indigener Missionsrat

Cimi Info 931

16. September 2010

Cimi Info 931.doc

Treffen über isolierte Völker

Gestern, 15.9., ging das Treffen über isolierte indigene Völker, das von den Regionalen des CIMI in Amazonien organisiert wurde, zu Ende. Die Situation dieser Gemeinschaften ist aufgrund der vorgelegten Informationen aus allen Teilen Amazoniens gibt Anlass zur Sorge.

Besonders dramatisch ist die Lage entlang des so genannten Bogens der Abholzung, der sich vom Süden Amazonas bis nach Maranhão zieht. Die Ausbeutung von Holz und die Rodungen für die Viehzucht und Monokulturplantagen waren begleitet von Massakern gegen die indigenen Völker, um jegliche Spuren menschlicher Präsenz auszulöschen.

Großprojekte der Regierung im Rahmen der Initiative der Integration der Infrastruktur in der Region Südamerika (IIRSA) und des Programms für beschleunigtes Wachstum (PAC) erleichtern die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und beschränken immer mehr den Lebensraum isolierter Völker. Bei den Genehmigungen der Wasserkraftwerke Santo Antônio und Jirau am Madeira und von Belo Monte am Xingu wurde die Anwesenheit von isolierten Gemeinschaften ignoriert, auch durch die FUNAI.

In Maranhão durchstreifen isolierte Awá zwar demarkiertes Gebiet, aber aufgrund ständiger Invasionen und illegaler Abholzung sind sie von Auslöschung bedroht. Durch Holzwirtschaft gefährdet sind auch die isolierten Gemeinschaften an der Grenze Acre-Peru.

In den letzten Jahrzehnten gab es in Amazonien häufig Verbrechen des Genozids, begangen mit der Absicht ein Volk zu vernichten. In der Region Corumbiara, im Süden von Rondônia, gab es in den 1980er Jahren Massaker an den Kanoê und Akuntsu, die 1995 von der FUNAI kontaktiert wurden. Vermutlich hat nur ein Indio überlebt. Trotz starker Beweise hinsichtlich der Täter – Fazendeiros und Politiker – wurde niemand für diese Verbrechen zur Rechenschaft gezogen.

Auf die traditionellen Gebiete der isolierten Völker erheben andere Anspruch. Im Süden von Amazonas, gibt es auf dem Land der Katawixi ein Tourismusprojekt oder sogar ein Siedlungsprogramm des INCRA. Im Norden von Mato Grosso wurden isolierte Gruppen vertrieben, um für Fazendas und Siedlungsprojekte Platz zu machen. Sie flüchteten in das Gebiet der Cinta Larga, das auch von Holzunternehmern invadiert wird.

Die Indios werden von ihren eigenen Gebieten verschwinden. Die neuen Besitzer, oft ihre Mörder, schören, dass sie nie einen Indio auf dem Land sahen, das sie sich unrechtmäßig angeeignet haben.

Die Eroberung Amazoniens erfolgt oft gewaltsam und unbeachtet durch Enteignung von Land. Die isolierten Völker als Opfer grenzenloser Gier klopfen nicht an die Türen der Regierenden, der Justiz, der Bundesstaatsanwaltschaft und auch in den Medien wird der Genozid an ihnen nicht thematisiert.

Mit dem Treffen über isolierte Völker will der CIMI die Aufmerksamkeit verstärkt auf deren Realität lenken, damit die öffentliche Hand endlich ihre Verantwortung für den Schutz des Lebens und der Gebiete auch dieser Gemeinschaften wahrnimmt.

Frauen protestieren in Altamira gegen Belo Monte

Mehr als 160 Bäuerinnen, Siedlerinnen entlang der Flüsse, Arbeiterinnen und Lehrerinnen nehmen vom 16.-18.9.2010 am Treffen „Frauen und Bewegung in Amazonien“ in Altamira (Pará) teil. Das Wasserkraftwerk Belo Monte, das die Regierung um jeden Preis errichten will, steht an der Spitze der Tagesordnung.

Die Frauen diskutieren die Auswirkungen von Großprojekten auf das Leben von Frauen sowie fehlende Politiken für Gesundheit, Bildung, öffentliche Sicherheit und Umwelt. „Die Entwicklungsprojekte in Amazonien dienen niemals der lokalen Bevölkerung. Nur andere profitieren davon. Früher haben sie Gold und Holz ausgebeutet, jetzt stehlen sie uns das Wasser“, kritisiert Antônia Pereira Martins eine der Teilnehmerinnen. „Wir Frauen sind immer die Schwächeren gegenüber diese uns aufgebürdete Entwicklung. Die Gesellschaft hat eine historische Schuld gegenüber den Frauen, die seit der Kolonialzeit unter Gewalt leiden“.

Antônia verweist auf den Bevölkerungsanstieg infolge des Baus von Belo Monte. Das Gesundheits- und Bildungswesen, Wohnraum und öffentliche Sicherheit seien diesem Ansturm nicht gewachsen. „Es werden mehr als 100.000 Personen zu Baubeginn erwartet. Altamira ist nicht in der Lage, dieser Zuwanderung zu begegnen; Bauten in dieser Größenordnung führen stets zu einem Anstieg der Prostitution“.

Die Frauen diskutieren seit langem diese Themen, wollen jetzt aber eine sozial-politische-ökologische Plattform, um konzertierter aufzutreten.

Am 17.9. ist eine Mahnwache am Xingu geplant, um gegen die Zerstörung des Flusses zu protestieren. Die Teilnehmerinnen kommen aus den elf Gemeinden der Region Xingu und Transamazônica, sowie aus den Gemeinden Santarém, Marabá, Belém und aus Gemeinden vom Bundesstaat Roraima.

CIMI – Indigener Missionsrat

Cimi Info 930

9. September 2010

Cimi Info 930.doc

Guarani in Paraná verschwunden

Seit 18. August 2010 ist der Guarani João Martins, 30 Jahre, verschwunden. Er gehört zur Gemeinschaft Guarani Tekoha Y Hovy, die in der Siedlung Eletrosul in der Gemeinde Guaíra (Paraná) lagert. Berichten zufolge verschwand er kurz nach einer religiösen Zeremonie im Gebetshaus der Gemeinschaft, die sich bereits an die Bundesstaatsanwaltschaft und Bundespolizei gewandt hat. Die bisherige Suche brachte keinen Erfolg.

Für Paulina Martinez Benitez, eine der Vertreterinnen der Gemeinschaft und Mitglied der Landkommission Guarani gibt es mehrere Hypothesen. Die Angehörigen vermuten, dass Landbesitzer hinter dem Verschwinden stecken. „Es gab keinen Grund für João, dass er die Gemeinschaft verlässt, er ging sehr selten in die Stadt. Wir befürchten das schlimmste, denn wir erhielten viele Bedrohungen und einige unserer Angehörigen verließen die Region, da sie von Landbesetzern bestochen wurden“, sagte Paulina. Die Gemeinschaft ersuchte die Polizei um einige Fahrzeuge, um einige Tage außerhalb des Lagers zu verbringen, aber das Ersuchen wurde abgelehnt. „Nachdem das geschehen ist, schlafen wir kaum. Abwechselnd halten wir Wache, denn wir haben Angst“.

Widerstand
Die Gemeinschaft Y Hovy lagert auf einem noch nicht geregelten Gebiet von 17 Hektar, das zum Teil von einem Landbesitzer sowie der Gemeinde Guaíra beansprucht wird. Derzeit leben hier zwölf Familien. Am 7.11.2009 haben sie das Territorium zurück gewonnen und seither fordern sie die Demarkierung des traditionellen Gebietes.

Die FUNAI hat noch keine Arbeitsgruppe zur Identifikation des Gebietes eingesetzt. Die Gemeinschaft wird ständig von Fazendeiros bedroht. Das Lager liegt inmitten von Anwesen entlang einer Straße mit hohem Verkehrsaufkommen. Infrastruktur gibt es keine, die sanitäre Situation ist prekär, besonders die Wasserversorgung.

Die Spiritualität gibt Kraft
Nach mehreren erfolglosen Suchen setzten die Guarani ihre Hoffnung auf das Gebet. Trotz allem fühlt sich die Gemeinschaft stark. „Wenn sie meinen, wir geben auf, haben sie sich geirrt. Wir werden hier bleiben und um unser traditionelles Land kämpfen“, sagte Paulina.

Der CIMI hat sich an die Bundesstaatsanwaltschaft von Umuarana und erhielt die Information, dass ein Staatsanwalt in Guaíra ist, um sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen.

Der CIMI beklagt das Verschwinden des Guarani und erwartet schnellstens Maßnahmen seitens der Autoritäten, damit João Martins gefunden und das traditionelle Gebiet der Gemeinschaft geregelt wird.

CIMI – Indigener Missionsrat

Cimi Info 929

2. September 2010

Cimi Info 929.doc

Pistoleiros umzingeln Gemeinschaft Guarani in Mato Grosso do Sul (MS)

Indios haben keinen Zugang zu Wasser, Gesundheitsversorgung und Bildung

Guarani Kaiowá der Gemeinschaft Y’poí in der Gemeinde Paranhos (MS) bitten die Autoritäten des Landes um Hilfe. Die Indios werden von Pistoleiros der Fazendeiros der Region umzingelt. Das traditionelle Gebiet wurde am 17.8.2010 während des Lagers Terra Livre zurück gewonnen.

Seither lebt die indigene Gruppe dort wie auf einer Insel. Pistoleiros haben kleine Lager aufgeschlagen, gehen bewaffnet auf Streife und bedrohen die Gemeinschaft. Niemand darf in das Gebiet oder es verlassen. Die Gesundheitsbetreuung und der Schulbesuch sind dadurch unmöglich. Auch die Wasserversorgung ist unterbunden.

Die Guarani brauchen Unterstützung, da ihre Kinder krank sind und nicht einmal die Nationale Gesundheitsstiftung gelangt in das Gebiet, um die Patienten zu versorgen. Trotz Anzeigen bei der Bundesstaatsanwaltschaft in Ponta Porã, der FUNAI und Sicherheitsorganen des Bundesstaates gibt es keine Maßnahmen, um die unmenschliche Situation der Tausenden Indios in MS, die im Stich gelassen, entlang der Strassen lagern und ihrem eigenen Schicksal überlassen werden, zu verbessern

Wo ist Rolindo Vera?

Die Rückgewinnung des traditionellen Landes erfolgte, als die Gruppe nicht noch länger auf eine Antwort der brasilianischen Regierung hinsichtlich der Identifikation ihres Territoriums warten wollte, wie im Vertrag mit der FUNAI und der Bundesstaats-anwaltschaft festgelegt wurde. Ungeduldig sind die Indios auch wegen des Schweigens über das ungeklärte Verschwinden von Rolindo Vara vor mehr als 30 Tagen.

Der Lehrer und sein Cousin Genilvado Vera wurden von dem zurück gewonnenen Territorium entführt. Tage später fand man die Leiche von Genilvado. Rolindos Familie wartet bis heute auf eine Auskunft seitens der Organe der öffentlichen Sicherheit über den Verbleib von Rolindo oder ob seine Leiche gefunden wurde.

„Es ist inakzeptabel, dass die Justiz zu dieser Ungerechtigkeit schweigt. Die Regierung kann angesichts dieses Genozids gegen eine Gemeinschaft nicht untätig bleiben. Es ist ein Angriff auf die Verfassung und internationale Gesetze, das Recht auf traditionelles Gebiet zu verweigern und der Gemeinschaft den Zugang zu den Organen zu verweigern, die von der Regierung mit dem Schutz und der Gesundheitsbetreuung der indigenen Völker betraut hat“, so Egon Heck, CIMI-Regionalkoordinator von MS.

1. Lager der traditionellen Völker und Gemeinschaften in Paraná

Dieses Land gehört auch uns, war das Thema des Lagers, von 1.-2.9.2010 in Curitiba, mit mehr als 500 Teilnehmern, bei dem unter anderem eine indigene Politik zur Garantie ihrer Rechte diskutiert wurde. Ausgangspunkt der Debatten war die Analyse der Situation: Gemeinschaften werden von ihren Gebieten vertrieben und ihrer Rechte beraubt, ihre kulturellen Identitäten sind gefährdet.

„Diese Völker sind unsichtbar vor den Augen der Regierung und darum fehlt eine entsprechende öffentliche Politik. Unser Ziel ist, zu zeigen, dass es uns gibt und was wir brauchen“, sagte Kretã Kaingang, Koordinator der Artikulation der Indigenen Völker aus dem Süden (ARPINSUL).

„Wir können nicht die fünft stärkste Macht der Welt sein, laut Schätzungen der Regierung, wenn die Grundrechte der traditionellen Völker nicht respektiert werden“, so Kretã. Eine staatliche Politik werde die Anerkennung und die Bewahrung der Lebensweise dieser Gemeinschaften, ihrer Kulturen und ihres traditionellen Wissens mit sich bringen.

Im Süden, vor allem in Paraná und Santa Catarina, werden die traditionellen Gemeinschaften sozial nicht wahrgenommen. Bis vor kurzem, gab es keine Statistiken und offiziellen Zählungen, sodass die Gemeinschaften vorläufige Erhebungen erstellten, um inmitten von Konflikten und Spannungen, die ihre ethnischen und kollektiven Rechte bedrohen, die durch die Verfassung und andere gesetzliche Regelungen garantiert sind, ihre kollektive Existenz zu bestätigen.

Aktivitäten
Gestern, 1.9., fand eine Generalversammlung statt, bei der Vertreter des Sekretariat für Bildung von Paraná (SEED) anwesend waren. Diskutiert wurden die Realität und Forderungen, die den Kandidaten für die Regierung vorgelegt werden sollen.

Heute gab es Reden von indigenen Vertretern, eine Demonstration im Zentrum von Cuiaba sowie Audienzen mit Vertretern der Regierung des Bundesstaates. Ihnen wurden Vorschläge hinsichtlich einer indigenen Politik im Bundesstaat unterbreitet, die von den Vertretern der elf Gemeinschaften ausgearbeitet wurden.

Teilnehmer
Bei der Versammlung teilgenommen haben rund 500 Vertreter Kaingang, Guarani und Xetá sowie Vertreter von den Gemeinschaften Quilombolas und Terreiro, Landarbeiter, Fischer und Heiler. Organisiert hat das Lager das Netzwerk Puxirão der traditionellen Völker und Gemeinschaften, dem rund 200.000 Mitglieder im Bundesstaat angehören.

CIMI – Indigener Missionsrat

Cimi Info 928

26. August 2010

Cimi Info 928.doc

Symbolischer Protest in Brasília gegen Unterzeichnung der Konzession für Belo Monte

Indigene Vertreter waren heute, 26.8., vor dem Regierungspalast, um gegen das Dekret für die Konzession des Wasserkraftwerks Belo Monte mit dem Konsortium Norte Energia zu protestieren, das bei den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung des Gebäudes nach der Renovierung unterzeichnet wurde. Auf ihren Transparenten kritisierten sie die Zerstörung der Umwelt durch die Regierung für eine Entwicklung um jeden Preis. Zudem haben sie ihre Münder zugeklebt, um auf den fehlenden Dialog zwischen den vom Projekt betroffenen Gemeinschaften und dem Staat hinzuweisen.

Marcos Apurinã, Leiter von der Koordination der Indigenen Organisationen im brasilianischen Amazonien (COIAB), kritisierte die Unterzeichnung dieses Dekrets als „Akt der Gewalt gegen die indigenen Völker, Flusssiedler, Kleinbauern und der gesamten Bevölkerung vor Ort. Lula unterschreibt das Todesurteil für die indigenen Völker im ganzen Land. Das ist für uns dramatisch“.

Die indigenen Völker fühlen, als ob sie nicht mehr im eigenen Land wären. „Im Ausland präsentiert sich diese Regierung beispielhaft. Aber hier, zumindest für die indigenen Völker, ist das nicht der Fall“. Es sei traurig, dass die Regierung in vieler Hinsicht die indigenen Völker täusche. „Aber die indigene Bewegung wird ihren Einsatz fortführen, nach mehr als 500 Jahren Widerstand werden wir nicht aufhören“, sagte Marcos.

Manifest
In dieser Woche haben soziale Bewegungen, indigene Organisationen und NGOs ein Manifest gegen die Unterzeichnung dieser Konzession ausgearbeitet. Dieser Akt der Regierung „ist ein skandalöser Affront gegen internationale Menschenrechtskonventionen, die brasilianische Gesetzgebung und die Verfassung des Landes“, heißt es im Dokument.

Die Regierung sei in diesem Fall erschreckend autoritär vorgegangen, „drängte das Regionale Bundesgericht ohne entsprechende Prüfung der Argumente zur Aufhebung von drei einstweiligen Verfügungen der Bundesjustiz gegen das Projekt und die Versteigerung, nötigte Anwälte der Bundesstaatsanwaltschaft mit offenen Drohungen seitens der Generalanwaltschaft des Bundes, und billigte ein Projekt das mehr als 19 Milliarden Reais kosten wird – der Großteil davon aus öffentlichen Gelder der BNDES und von Pensionskassen – ohne Mindestgarantie der Wirtschaftlichkeit, was eine ernsthafte Bedrohung für die Staatskasse darstellt.

Der Einsatz gegen Belo Monte

Trotz zahlreicher Kundgebungen, Demonstrationen, Versammlungen, Briefe und Stellungnahmen hat die Genehmigung des Projekts Belo Monte ohne Gespräche mit Experten, indigenen Völkern und traditionellen Gemeinschaften weiter betrieben. Zu Jahresbeginn fanden in Brasília zwei Großdemonstrationen von Vertretern der indigenen Völker, der sozialen Bewegungen, Flusssiedler und  Nichtregierungsorganisationen gegen die Versteigerung des Kraftwerks statt.

Anfangs August versammelten sich an die 500 Indios, Flusssiedler, Fischer, Kleinbauern und Stadtbewohner „zur Verteidigung des Xingu – gegen Belo Monte“. Im Schlussdokument schrieben sie unter anderem: „In unserer Erinnerung bleiben Zerstörung und Tod durch Großprojekte lebendig, die von der Militärdiktatur autoritär umgesetzt wurden, etwa der Bau der Transamazônica (BR230), die BR 174, BR 364, BR 163, die Kraftwerke Tucuruí und Balbina. Indigene Völker und traditionelle Gemeinschaften wurden schwer geschlagen, Völker wie die Arara, Parakanã, Waimiri Atroari an den Rand ihrer Auslöschung gedrängt“. Beim Lager Terra Livre, vom 16.-19.8.2010 in Campo Grande (MS), demonstrierten 800 Indios gegen das beharrliche Festhalten der Regierung am Bau von Belo Monte

Bei einem Gespräch des Bischofs vom Xingu, Dom Erwin Kräutler mit Präsident Lula versicherte dieser, Belo Monte „nicht auf Biegen und Brechen durchzusetzen“. Dieses Versprechen wurde nicht gehalten.

„Durch die Unterzeichnung dieses Dekrets wird der Widerstand der Indios, Flusssiedler und Kleinbauern, die ihr Überleben am Xingu verteidigen und den Fluss und die Wälder als Garantie für die Zukunft nutzen wollen, nicht erlöschen“, heißt es im letzten Absatz des Manifests.

Justizminister hebt Erlässe für Gebiete Guarani in Santa Catarina auf

Zum Vorteil von Einzelinteressen und im Widerspruch zu den ursprünglichen Rechten der indigenen Völker hat Justizminister Luiz Paulo Barreto die deklaratorischen Erlässe für die indigenen Gebiete Guarani Mbyá Morro Alto, Piraí, Tarumã und Pindoty in den Gemeinden São Francisco do Sul und Araquari, im Norden von Santa Catarina aufgehoben.

Mit Klagen gegen die Demarkierung der indigenen Gebiete haben Unternehmen, etwa Karsten und die Gießerei Tupy, die Verfahren der territorialen Regelung gestoppt. Mehr als 300 Personen, vertreten durch den Verband der Eigentümer mit Interesse an Immobilien in indigenen Gebieten im Norden von Santa Catarina (APIS) haben Klagen eingereicht und der Richter der 1. Bundeskammer von Joinville suspendierte die Wirkung der Erlässe, die 2009 vom damaligen Justizminister, Tarso Genro, unterzeichnet wurden.

Adriano Guarani, Indio einer betroffenen Gemeinschaft ist traurig über die Aufhebung: „Dieser Rückschlag ist eine politische Frage. Unternehmer, Produzenten bis hin zu Präfekturen wollen hier in der Region keine Demarkierung von indigenen Gebieten. Wir verstehen das Vorgehen des Ministers nicht, denn wir haben ihm vertraut und jetzt das“. Von dieser Gemeinschaft sind mehr als 500 Personen betroffen und sie wissen nicht, wo sie leben und wie sie ihren Unterhalt bestreiten sollen. „Wir müssen reagieren, wir werden eine Demonstration organisieren, denn so kann es nicht weiter gehen“, kündigt Adriano an.
CIMI – Indigener Missionsrat

Cimi Info 927

19. August 2010

Cimi Info 927.doc

Indigenes Lager Terra Livre in Campo Grande (MS) beendet

Heute, 19.8., ging das 7. Lager Terra Livre zu Ende: vier Tage Versammlung, Begegnung, Treffen von Verwandten, Diskussionen, Suche nach Lösungen. Die Indios unterstrichen die Bedeutung der Demarkierung der Gebiete für die Bewahrung ihrer Kultur, für das Leben in der Gemeinschaft und für die Selbstversorgung. Mit einem Marsch durch die Straßen von Campo Grande schloss das Treffen.

Eröffnet wurde Terra Livre am 16.8. mit einer Pressekonferenz, bei der die indigenen Völker ihre Anliegen präsentierten. Laut Koordinatoren des Lagers sei die Garantie der traditionellen Gebiete im ganzen Land am wichtigsten.  Sie kritisierten, dass die in der Verfassung verankerten indigenen Rechte nicht respektiert werden.

Anastácio Peralta, der Vertreter der Guarani Kaiowá beklagte die herrschenden Vorurteile im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. „Hier ist ein Stier mehr wert als ein Kind! Dieser Bundesstaat muss reformiert werden!“ Als vorrangige Themen des Lagers bezeichnete er Land, Bildung und Gesundheit.

Landproblem in Mato Grosso do Sul
Am zweiten Tag skizzierte der Vertreter der Bundesstaatsanwaltschaft, Marco Antônio Delfino, die Geschichte der indigenen Völker im Bundesstaat und ging auf die aktuelle Situation infolge des Landmangels, auf Diskriminierung und Gewalt gegen die Guarani Kaiowá, Terena, Guató, Guarani Ñandewa und andere Gemeinschaften ein.

Nach Angaben des Staatsanwalts leben 68.000 Indios auf 0,5 % des Territoriums in Mato Grosso do Sul und bei den Auseinandersetzungen um Land ist immer ein landwirtschaftlicher Großbetrieb beteiligt. Einige Gemeinschaften leben entlang der Straßen, ohne Möglichkeiten, ihren Unterhalt zu erwirtschaften und ihre traditionelle Kultur zu pflegen. Die viel zu kleinen Gebiete sind ein Grund für die Zerstörung der sozialen Organisation. „Es gibt viel Gewalt, daneben kommt es zu internen Konflikten und viele Jugendliche zieht es in die Stadt, wo es keine Lebensperspektive für sie gibt“, sagte der Staatsanwalt.

Die Gewalt ist sehr belastend. Laut Marco Antônio gibt es 140 Morde je 100.000 Einwohner im indigenen Gebiet Dourados.

Missstände

Farid, eine Vertreterin der Gemeinschaft  Laranjeira Ñanderu informierte über die traurige Realität ihres Volkes, das seit fast zwei Jahren am Rand der Straße zwischen Campo Grande und Dourados lagert. „Viele Säuglinge starben, viele sind krank, weil es kein Wasser, keine Lebensmittel gibt. Wir sind dort, um zu sterben“.

Die fehlende Demarkierung der Gebiete stand im Mittelpunkt der Debatten. Eliseu Guarani ist der Ansicht, dass die territoriale Regelung die Gewalt mindern würde: „Wir leiden unter großer Gewalt. Unsere Vertreter werden ermordet. Damit wäre Schluss, wenn wir wieder in unsere Gebiete zurück könnten. Wir werden weiter dafür kämpfen. Wir werden in unsere Gebiete zurück kehren“.

Elvisclei Polidoro, Terena von der Gemeinschaft Cachoeirinha, übte Kritik an der FUNAI, „die sich ganz nach der Politik im Bundesstaates richtet. Die FUNAI ist gegen die Indios und zeigt uns sogar bei der Bundespolizei an, wenn wir uns für die Rückgewinnung unserer Gebiete einsetzen“.

Systematische Gewalt
Im Dokument, das an die Kandidaten für die Präsidentschaft der Republik sowie an nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen übermittelt wird, zitierten die Teilnehmer von Terra Livre den Slogan, der im Bundesstaat weit verbreitet ist: „Produktion ja, Demarkierung nein“.

Die Bildungsexpertin, Drª Iara Tatiana Bonin bezeichnet das als institutionellen Rassismus. „Die systematische Gewalt in den letzten Jahren führt zum Schluss, dass sich im Bundesstaat institutioneller Rassismus breit macht, durch Aktionen ziviler Gruppen und Unterlassungen der öffentlichen Hand“.

Die vielen Fälle von Verletzungen der Rechte der indigenen Völker in Mato Grosso do Sul zeigt, wie die Bundesregierung die Anliegen dieser Völker behandelt, etwa bei der Demarkierung der traditionellen Gebiete. Die Gemeinschaften werden ignoriert, während Großgrundbesitzer oder die lokale Bevölkerung, die gegen die Indios ist, unterstützt werden.

Laut Bericht über die Gewalt gegen die Indigenen Völker in Brasilien 2009 wurden im Vorjahr 33 Indios in Mato Grosso do Sul ermordet. Das sind 54% der 60 Fälle, die im Dokument des CIMI erfasst sind.

Die Politik ist von Unterlassungen geprägt. „Im Bundesstaat gibt es seit 2003 die höchste Gewaltrate und es wird nichts dagegen unternommen. In der Region gibt es viele Ethanolfabriken, sowohl in demarkierten als auch in identifizierten indigenen Gebieten“, sagte Egon Heck vom CIMI Regional Mato Grosso do Sul.

Der CIMI wirft der Bundesregierung Nachlässigkeit und Verzögerung bei der Identifizierung, Demarkierung und Homologation indigener Territorien vor. In Mato Grosso do Sul sollten laut Vertrag mit der FUNAI die Regelung von mindestens 20 Gebieten seit mehr als einem Jahr abgeschlossen sein. Sechs Arbeitsgruppen zur Identifikation wurden von der FUNAI eingesetzt, aber aufgrund von rechtlichen Schritten seitens der Fazendeiros, die traditionelles Land beanspruchen, ruhen die Erhebungen. „Das Ausschöpfen von Rechtsmitteln ist die letzte Strategie, um die Identifikation zu verhindern“, so Egon Heck.

Schlussdokument
Die Teilnehmer bekräftigen ihre Solidarität mit den Völkern in Mato Grosso do Sul. „Vereint durch die gleiche Geschichte, die gleichen Probleme, Drohungen, Herausforderungen, Hoffnungen und durch den gemeinsamen Willen im Einsatz für unsere Rechte, kamen wir aus unterschiedlichen Regionen des Landes, um uns mit den indigenen Völkern dieses Bundesstaates zu solidarisieren, die sich unermüdlich für ihre Rechte einsetzte, vor allem auf Leben und auf Mutter Erde“.

Im Dokument sind die Forderungen der Völker im Bereich Gesundheit, Bildung, Recht auf Land und Großprojekte zusammengefasst. Zur Sprache kommen Vernachlässigung, Elend, Diskriminierung, Kriminalisierung und Ermordung von indigenen Vertretern.

Das von der Regierung propagierte Wirtschaftswachstum ist für die meisten Völker in Brasilien nicht spürbar. „In Regionen, wie Mato Grosso do Sul leben die Gemeinschaften Guarani Kaiowá zusammengepfercht auf kleinen Landstreifen oder am Straßenrand. Sie warten auf die Demarkierung ihrer Gebiete, die für die Landwirtschaft, Zuckerrohr- und Eukalyptusplantagen beansprucht werden. Öffentliche Organe handeln zögerlich oder bleiben untätig“.

Im Bezug auf indigene Gebieten wird eine Arbeitsgruppe gefordert, um die Verfahren der Demarkierung zu beschleunigen, zudem Garantie von Sicherheit in indigenen Gebieten.

Weitere Forderungen
Die Teilnehmer wollen eine indigene Gesundheitsbetreuung für alle Indios, unabhängig ob sie in Aldeias, demarkierten Gebieten, Lagern oder Städten leben, unter Berücksichtigung des traditionellen Wissens sowie den Einsatz von medizinischen Pflanzen bei der Behandlung.

Die Gemeinschaften wollen qualifizierte, differenzierte Bildung in den Aldeias oder in deren Umgebung, die den Erfordernissen des jeweiligen Volkes Rechnung trägt und die entsprechend mit Infrastruktur und Ressourcen ausgestattet ist.

Im Schlussdokument werden auch das Dekret 7.056/2009 über die Restrukturierung der FUNAI sowie Großprojekte im Rahmen des Programms für beschleunigtes Wachstum der Bundesregierung erwähnt. In diesem Kontext wird ganz besonders die Beachtung brasilianischer und internationaler Gesetze in Bezug auf die indigenen Völker gefordert, wie die Bundesverfassung, die Erklärung der Menschenrechte und die Konvention 169 der ILO.

CIMI – Indigener Missionsrat